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Inselhopping auf 2 Rädern

01. September 2020 (20:35 Uhr)

Sascha Hubbert, Deutscher Duathlonmeister 2019, hat die Sommerzeit und Wettkampfpause für einen Aktivuraub mit seinem "Trainingsgerät" genutzt: Mit dem Rad war er auf Sardinien und Korsika unterwegs und berichtet:

Vorab möchte ich sagen, dass ich in der Vergangenheit schon den einen oder anderen Bikepacking-Urlaub gemacht und dabei schon einige Dinge ausprobiert habe, wie man das Gepäck am besten transportiert bekommt.
Meine erste Bikepacking tour war 2015. Damals war ich noch mit einem 25L-Rucksack und sonst keinerlei Bikepacking-Taschen quer durch die italienischen und französischen Alpen für 20 Tage unterwegs. Schnell habe ich aber gemerkt, mit einem so großen Rucksack zu fahren ist definitiv nicht die beste Lösung.
Mittlerweile setze ich nach wie vor auf einen Rucksack, jedoch nicht größer als 10L. Carina, meine Freundin, hatte mit ihren 1,63m Körpergröße sogar nur einen 6L-Rucksack dabei. Außerdem bin ich ein großer Fan einer Tasche im Rahmendreieck. Das hat zwar den Nachteil, dass man bei kleinen Rahmen Probleme mit dem Platz für die Trinkflaschen bekommen kann, aber die Vorteile einer solchen Tasche überwiegen in meinen Augen. Denn wenn man sportlich unterwegs sein möchte, dann wirkt sich diese Tasche nicht wirklich auf die Performance des Bikes aus. Anders als die großen Taschen hinter dem Sattel, auch als „Arschraketen“ bekannt. Diese wackeln beim Antreten, im Wiegetritt und auf Abfahrten meist sehr hin und her.

Es ist übrigens auch erstaunlich, mit wie wenig Kleidung man bei einem solchen Urlaub auskommt. Positiver Nebeneffekt: Wenn man nur eine Shorts dabei hat, braucht man abends nicht lange überlegen, was man anzieht ;-). Und auch in Sachen habe ich die Erfahrung gemacht, dass 2-3 Shirts mehr als ausreichend sind. Alles getreu dem Motto: „Weniger ist mehr“

Nun zu unserem jüngsten Trip:
Für mich und Carina ging es erstmals rund um die Insel Sardinien und teilweise auch um Korsika.
Da hat man direkt das erste Problem: Wohin mit dem Bikekoffer, den wir für die Anreise auf die Insel nutzten? Ich habe dafür kurzum einige B&B´s in Flughafennähe kontaktiert und unsere Situation erklärt. In der Regel sind die Menschen wirklich super hilfsbereit und helfen wo sie können. Es war also kein Problem eine Unterkunft zu finden, die nur 3km vom Flughafen entfernt war und bei der wir unsere Radkoffer für kleines Geld für 2 Wochen einquartieren konnten.

Dann ging es also los auf 2 Rädern: Stage 1: Cagliari nach Carloforte
Kalkuliert haben wir mit einem 25km/h-Schnitt für alle Etappen. Dazu gleich noch ein Tipp: Man sollte sich vorher ein wenig damit beschäftigen, wie die Windbedingungen vor Ort sind. Speziell auf Sardinien gibt es viele Berge und die Windrichtung ist meistens gleich, hinter den Gipfeln dreht sich der Wind jedoch meistens. Leider hatten wir fast die kompletten 130km Gegenwind und waren froh über einen 24er-Schnitt. Die Etappe hatte schon einmal mehr Kraft gekostet als geplant. Belohnt wurden wir dann aber mit einem wunderschönen Hafenörtchen namens Carloforte. 


Und spätestens wenn man dann bei Pizza und einem Glas Wein oder Bier am Meer den Sonnenuntergang genießt, weiß man wieder warum man sich die „freiwilligen Strapazen der Tour“ antut.
Die weiteren Tage waren vom Kopf her wesentlich leichter für uns. On top wurden wir immer wieder mit wunderschönen Küstenstraßen und Bergpässen belohnt. Besonders schön waren die Orte Bosa und Alghero an der Westküste Sardiniens. Es lohnt sich übrigens, meistens relativ früh morgens im Sattel zu starten, damit man die kühleren Morgenstunden ausnutzt und nachmittags gemütlich Zeit für Sightseeing und Relaxen hat.
Nach 6 Radtagen hatten wir Sardinien einmal umrundet – auf gut 600km mit gut 6.300hm.

Dann ging es mit der Fähre nach Korsika hinüber, was super unkompliziert war: Das Ticket haben wir erst bei Ankunft im Fährort gekauft.
Korsika ist landschaftlich noch profilierter als Sardinien: Die Berge sind höher, die Felsformationen beeindruckend und die Gegend generell noch etwas grüner als auf Sardinien. Ein absolutes Paradies für Radsportler!


Auch Unterkünfte sind auf beiden Inseln gut und unkompliziert zu finden. Für mehrtägige Touren bevorzuge ich übrigens das übernachten in B&B´s.: Nach einem 4-5 stündigen Tag im Sattel ist es mir wichtig, eine vernünftige Dusche zu bekommen und keinen Stress mit den Bikes zu haben. Das ist zum Beispiel beim Camping nicht so einfach.
Wer es besonders günstig mag und abends gern noch Gesellschaft hat, sollte sich auch unbedingt einen Account bei `Warmshowers´ erstellen. Das ist eine Website, auf  der andere Radfahrer kostenlose Schlafplätze anbieten. Dort haben wir auch u.a. auf Korsika großartige Erfahrungen gemacht.

Nach 11 Radetappen in 14 Tagen hieß es: Zurück nach Deutschland. Mit unzähligen, beeindruckenden Bildern und dem Stolz von 1.300 geradelten Kilotermen im Gepäck.

Mein Fazit:
Die Eindrücke und Erfahrungen, die man bei einer solchen Reise bekommt, kann kein Pauschalurlaub auch nur ansatzweise liefern. Natur, Sport, das Erfolgsgefühl am Ziel der Etappe(n) sind unbezahlbar. Meiner Meinung nach, die schönste Art zu reisen! Und wer es etwas gemütlicher mag, kann einfach etwas kürzere Etappen planen.

Euer Sascha

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